Leon Lorka

Entdecke das Geheimnis seiner Vergangenheit und vieles mehr ...

Kapitel 7a

Die fünfzehn friedlichen Jahre bei Rosa und Randolf lagen wie eine Ewigkeit hinter ihm. Es war unfassbar, wie schnell die Zeit vergangen war. „Wie lange bin ich jetzt eigentlich schon bei dir?“, fagte Leon beiläufig. „Ich zähle die Tage nicht, nur die Jahre. Das ist einfacher. Und ein Jahr bist du noch lange nicht hier.“

Argo grinste verschmitzt, denn nur er wusste, dass er gar nicht zählen konnte. Er spürte immer ziemlich genau, wann ein Jahr vorbei war und dann ritzte er auf die Rückwand seiner Küche einen Strich in den Stein. Aber wie viel Striche es waren, das wusste er auch nicht so genau. Dafür konnte Argo aber lesen. Jedenfalls ein bisschen. Das hatte Senta ihm beigebracht.

Der Nebel hielt an, aber Kato kam nicht wieder. „Das kann noch Wochen so bleiben“, meinte Argo. Nachts gewitterte es regelmäßig und der Himmel entlud sich so stark als würde er nur aus Wasser bestehen. Die Tage wurden eingehüllt von abwechselnd gelbem und grauem Nebel, der gelegentlich mit schwarzen Rauchschwaden durchzogen war, als würde die Welt ihre Toten verbrennen. Es war eine trostlose Zeit. Die Sonne kam überhaupt nicht mehr zum Vorschein. Sie hatte die Erde vergessen.

Argo rückte den Küchentisch vor das Herdfeuer, so dass sie etwas mehr sehen konnten. „Lies das Buch!“, sagte er. „Jetzt hast du Zeit dafür.“ „Ich kann nicht lesen, das weißt du doch.“ „Pass auf“, sagte er und malte mit einem Stück Holzkohle umständlich und sehr langsam einen Buchstaben nach dem anderen an die Wand und benannte jeden einzelnen, bis die ganze Küche bekritzelt war.

Als er fertig war, begutachtete er stolz sein Werk „So, jetzt musst du nur die Buchstaben zusammenfügen, dann hast du ein Wort. Die Worte zusammen ergeben einen Satz. Also ganz einfach. Fang an!“

Leon fand das aber gar nicht so einfach, trotzdem schlug er mutig das Buch auf. Er suchte den ersten Buchstaben an der Wand. Es war ein T. Aber er hatte schon wieder vergessen, dass es ein T war. „Du brauchst etwas zur Erinnerung“, sagte Argo ruhig. „Such dir ein Wort, das mit T beginnt und male es daneben. Leon fiel sofort Tula ein. Er zeichnete einen Tula neben das T. Diesen Buchstaben würde er nie wieder vergessen. Dann folgte ein A. „Ich male dich neben das A“, freute sich Leon und lächelte Argo an.

Danach zeichnete er mit Kohle ein Gewitter für das G und eine einsame Frau ganz alleine auf einem kleinen Boot neben das E. Das sollte Esther sein. Für die Buchstaben U und C fiel ihm gar nichts ein, die wollte er sich einfach so merken und neben das H malte er Haito, wie er ihn sich vorstellte.

Mit finsterer Miene schaute ein bärtiger Männerkopf von der felsigen Wand in die Küche hinein. Das erste Wort war fertig. Jetzt musste er es nur noch zusammensetzen. Er stockte und stolperte über seinen eigene Zunge, das er sich beinahe verschluckt hätte, aber er schaffte es. Laut und deutlich sprach er „Tagebuch“ aus.

In großen Buchstaben stand auf dem Einband des Buches das Wort TAGEBUCH. Leon freute sich. „Was ist ein Tagebuch?“, fragte er, ohne von dem Wort aufzublicken.

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