Leon Lorka

Entdecke das Geheimnis seiner Vergangenheit und vieles mehr ...

Kapitel 7b

Seine Haupthöhle sah aus wie eine überirdische Glocke, die durch etliche Kristalladern wie eine Kathedrale beleuchtet wurde. Hier war der schönste Klang. Amadeus tauchte ganz langsam auf und Leon schwebte gehalten von acht Beinen wie ein Engel über dem Wasser. Schwerelos und eins mit sich und der Welt hörte er mit geschlossenen Augen dem Gesang zu.

Amadeus sang das Hohelied vom Leben und das Tiefelied vom Tod.

Er hatte alles Glück und Leid der Erde gesehen, er wusste um die Vergänglichkeit allen Irdischen und stimmte ein Klagelied auf die Schändlichkeit allen menschlichen Handelns an, das ihn in eine ewige Nacht gestürzt hatte. Er hob seinen Kopf aus dem Wasser und starrte aus leeren Augenhöhlen nach oben zwischen seine Fangarme, auf denen Leon wie auf einem Himmelbett lag.

Amadeus war blind. Zwei schwarze Löcher gruben sich in seinen Kopf, wo einst seine großen Augäpfel saßen. Jemand hatte ihm das Augenlicht gestohlen. Er sah so traurig aus, dass man seine Gefährlichkeit, die von seinem massigen Leib und den meterlangen Tentakeln ausging, schlichtweg übersah.

Aber Leon sah ihn nicht. Er spürte ihn nur und das war genug. Amadeus drehte und schaukelte ihn wie zu einem Tanz, dabei sang er von der Kraft der Jugend und wie das Gute das Böse besiegt. Leise und vorsichtig trug er seinen Freund durch die Gänge und Biegungen zurück zu der Nische, wo Argo immer noch saß und auf ihn wartete. Ganz sanft ließ Amadeus Leon los und legte ihn behutsam wieder so hin wie er ihn aufgenommen hatte. Dann verschwand er und sang ein wundervolles Abschiedslied, das von der Freude erzählte, sich wieder zu sehen. Leon öffnete die Augen. Er wusste, dass es kein Traum war. Was er erlebt hatte, war Wirklichkeit. Aber sie war unwirklicher als jeder Traum.

 

„Na, wie findest du Amadeus“, fragte Argo neugierig. „Er ist phantastisch, ich werde wiederkommen.“ „Das solltest du auch. Er hat dich in sein großes Herz geschlossen, der Gute.“ Gemeinsam verließen Argo und Leon die Grotte. Argo flog mit den beiden zappelnden Hummern nach oben. Er wollte ein Festessen vorbereiten. Und Leon sammelte noch einige Nacktmuscheln für Doris. Zu seiner Freude fand er auch noch eine kleine Kolonie Schleimwürmer, die er mit gerümpfter Nase einsammelte, weil sie sofort anfangen fürchterlich zu stinken, sobald man sie aus dem Wasser zog. Aber Doris liebte nun einmal Schleimwürmer über alles und freute sich, als Leon ihr dieses zum Himmel stinkende Geschenk machte.

Es war der erste klare Abend nach der langen Regenzeit. Die Sonne ging ganz besonders langsam unter, sie ließ sich Zeit um noch ein bisschen länger von Leon angesehen zu werden. Offensichtlich genoss sie seine Blicke so wie er ihre Strahlen.

Argo brutzelte und kochte und summte dabei ein Lied vor sich hin. Er war guter Laune. Wie sehr er sich doch verändert hatte, seitdem Leon da war. Der Himmel war blau und färbte sich im Westen allmählich blutrot. Es war eine lange Zeit der Dunkelheit gewesen, aber letztendlich hatte die Sonne doch gesiegt. „Und so wird es immer sein“, dachte Leon. Was bleibt, ist die Sonne“ und dabei drückte er ganz fest sein Amulett.

Das Essen war herrlich. Die Hummer waren so lecker wie nie. Argo hatte sie mit ausgepresstem Seegurkensaft übergossen und mit Seetank garniert. Es war ein wahrer Gaumenschmaus.

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