Leon Lorka

Entdecke das Geheimnis seiner Vergangenheit und vieles mehr ...

Kapitel 8

Das im Nebel versteckte Tor fiel donnernd hinter Haito zu. Immer noch wutentbrannt tauchte er  mit seinen Männern aus der Nebelschleuse auf. Vor ihm lag Sanaka, seine Stadt. Er gab den Ruderern ein stummes Zeichen und sie legten in einer schmalen Einfahrt an seinem schwimmenden Schloss an. Kraftvoll sprang Haito von Bord und tobte die Treppen zu dem Haupteingang hoch. Mit einem Tritt öffnete er den linken Flügel der schweren Holztür und trat in die große, dunkle Eingangshalle, die von etlichen Fackeln beleuchtet wurde.

Zwolle und Appeldorn folgten ihm und stellten sich wie zwei Statuen links und rechts neben den Eingang, um ungebetenen Besuchern den Zugang zu verweigern. „Hol mir Krypta!“, brüllte er einen Diener an, der gerade dabei war, Berge von Rattenkot auf dem Boden zusammenzufegen.

Am Ende der Halle stand ein prunkvoller Thron, der aus schwarzem, metallisch glänzendem  Stein gebaut war. Funkelnde blaue Edelsteine spiegelten das Licht der Fackeln wieder und verzierten den Thron. Haito setzte sich. Seine Hand blutete.

Nach kurzer Zeit betrat Doktor Krypta lautlos durch einen Seiteneingang den Saal. Er hatte einen schleichenden Gang, als würde er über dem Boden schweben. Unter dem verschmierten Hemd und der abgerissenen Hose verbarg sich ein ausgemergelter Körper, dessen Sehnen und Knochen von einer labbrigen, gelb grünen Haut überzogen waren. Sein Kehlkopf hüpfte wie ein Seepferdchen in dem faltigen Hals hin und her und sein Gesicht war ungewöhnlich lang und dünn. Das Kinn hing ihm fast bis auf die Brust und zwischen seinen schmalen Lippen zeigte sich eine Reihe schwarzer Zahnstümpfe. Die tief liegenden Augen waren rot entzündet und das schüttere Haar klebte lang und fettig an seinem Schädel, der sich blasenförmig nach hinten ausstülpte. Er war der Inbegriff der Hässlichkeit und sein ungepflegtes und stinkendes Äußeres machten ihn zu einem unsympathischen und abstoßenden Wesen.

Trotz seiner Ähnlichkeit mit Menschen, hatte Doktor Krypta Züge, die etwas Tierisches in ihm vermuten ließen. Seine Haut war tot und leblos und seine hohe Fistelstimme erinnerte an das Zischeln einer Giftschlange.

„Guck dir mal meine Hand an, Krypta!“, rief Haito und winkte ihn zu sich. Mit seinen dürren, knöchrigen Fingern stocherte er in Haitos Verletzung herum.

„Kleinigkeit“, murmelte er und holte aus seinem Köfferchen eine graue Paste. Ohne die Wunde zu säubern, drückte er die zähe Masse mit seinen braunen Fingernägeln in das Loch, das Leons Pfeil in Haitos Hand gebohrt hatte. Die Salbe quoll auf der anderen Seite wieder heraus.

„Fleischersatz“, kicherte Krypta, leckte sich den Rest der Paste von den Fingern und schickte sich an, wieder zu verschwinden. “Du hast es aber eilig, Krypta“, raunte ihn Haito an. „Viel Arbeit“, kicherte er wie jemand, der etwas zu verbergen hatte.

„Wir brauchen neues Weipu“, rief er ihm hinterher! „Hörst du!“, aber Doktor Krypta war schon hinter dem schweren Brokatvorhang abgetaucht, der den Seiteneingang von der Haupthalle trennte.

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