Leon Lorka

Entdecke das Geheimnis seiner Vergangenheit und vieles mehr ...

Kapitel 9

Haito saß immer noch auf seinem Thron und beobachtete aus heruntergeklappten Augenlidern eine fette Fledermaus, die durch den Raum huschte und keinen Ausgang fand. Ohne sich zu bewegen, griff er nach seiner Peitsche, die immer in Reichweite stand. Er rührte sich nicht. Als ob er gar nicht vorhanden wäre, saß er auf seinem Herrschersitz wie ein lebendiger Stein, in dem die Lava nur so brodelte. Das war Haitos Art, auf Jagd zu gehen. Wie eine Viper blieb er regungslos in seinem Versteck hocken und schlug dann ohne Vorwarnung zu.

Die Fledermaus nahm von ihm keine Notiz und flatterte an seinem Thron vorbei. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen. Haito ließ seine Peitsche aufblitzen und holte das Tier aus fünf Meter Entfernung aus der Luft herunter. Betäubt lag es auf dem Boden und zuckte mit seinen knochigen Hautflügeln.

Haito ließ seine Peitsche knallen und sofort kam ein Diener herbei gerannt und hob die Fledermaus auf. „Mach sie mir fertig für heute Abend und füll sie mit Grint, verstehst du?“, befahl er. Der Diener nickte.

Grint war eine Leckerei aus klein gemahlenem Muschelkalk und matschigem Quallenfleisch. Die Masse sah in gekochtem Zustand aus wie dicksämiger Eiter. Haito bevorzugte die roten Quallen, weil er meinte, dass sie ihn noch mehr abhärten würden.

Außerdem bildete er sich ein, dass seine Muskeln von dem Kalk kräftiger und sein Verstand klarer würde. Grint war seine Lieblingsspeise und er ließ sich beinahe jeden Fisch, der ihm zubereitet wurde, damit füllen.

Seine Diener kannten das schon und hätten auch ohne seinen Befehl eine Schale Grint für ihn vorbereitet.

Sein Personal bestand aus Menschen, die mit den Transporten aus den Bergen zurückgekommen waren. Man hatte sie dort offensichtlich nicht mehr gebrauchen können. Sie sprachen nicht und ihr Blick war stumpf. Was man dort mit ihnen gemacht hatte, wusste keiner, nicht einmal Haito.

Aber sie waren gefügig und fleißig und vollkommen anspruchslos und kosteten fast nichts. Solche Menschen brauchte Haito um sich, denn er musste sie nicht fürchten. Sie kannten keinen Hass und keine Freude. Sie lachten nicht und sie weinten nicht. Sie taten schweigend ihre Arbeit und sprachen nie ein Wort. Sie schliefen auf dem Boden und wuschen sich im Meer. Sie hatten nicht einmal einen Namen.

Selbst wenn Haito sie manchmal spaßeshalber mit seiner Peitsche bestrafte, verzogen sie keine Miene. Es schien, als ob sie keinen Schmerz empfinden konnten. Und wenn Gala gut zu ihnen war, zeigten sie ebenso keine Gefühlsregung. Sie waren hohl und ausgebrannt. Sie akzeptierten alles und stellten keine Fragen. Wie auch, wahrscheinlich konnten sie nicht einmal sprechen. Welche furchtbaren Dinge sie mitgemacht haben musste, durfte man sich gar nicht vorstellen.

Gala hatte am Anfang oft geweint, als sie ihre menschlichen Brüder und Schwestern so ausgebrannt sehen musste, aber auch sie hatte sich im Laufe der Jahre daran gewöhnt. Nur manchmal überkam sie noch eine große Trauer und sie wünschte sich, dass alles nur ein Traum sei und sie erwachte und alles so wäre wie früher. Aber das geschah natürlich nie.

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