Leon Lorka

Entdecke das Geheimnis seiner Vergangenheit und vieles mehr ...

Kapitel 10

Haito begutachtete das Boot. Es war perfekt. Nur eines fehlte noch, der Schiffsname. „Hol mir Bramente!“, rief er einem der Arbeiter zu, der sich gerade eine neue Seegraszigarre ansteckte. Aber der schien ihn nicht hören zu wollen und nahm genüsslich einen Schluck Jauche aus einem vergammelten Holzbecher.

„Hörst du nicht?“, fuhr ihn Haito an und knallte drohend mit seiner Peitsche. Aber der Arbeiter ließ sich nicht beeindrucken. Er hatte schon soviel Gewalt erlebt, dass er sich so schnell nicht mehr einschüchtern ließ. Nicht einmal von seinem König.

Der nächste Peitschenhieb fuhr ihm direkt durchs Gesicht. Die Zigarre fiel zu Boden und Blut schoss ihm aus Mund und Nase. Mit dem Handrücken wischte er sich ab und mit einem verächtlichen Blick auf Haito bewegte er sich schlurfend zum Ausgang. Aber da stand schon Bramente in der Tür und schaute erst seinen Arbeiter und dann Haito mit verärgerten Augen an.

„Was gibt es?“, fragte er ablehnend und trat auf Haito zu. „Der Name fehlt. Ich will, dass dieses Schiff einen Namen bekommt!“ „Das war nicht abgemacht“, raunte Bramante verärgert und zog eine Zigarre aus der Tasche. Mit seinen gelben Zähnen biss er knackend die Spitze ab und spuckte sie Haito verächtlich vor die Füße. „Dann machen wir es eben jetzt ab. Das Schiff heißt Tantalos. Brenn den Namen in das Holz und füll ihn mit Gold. Hast du verstanden?“

Bramante schaute Haito von Kopf bis Fuß an. Er hatte keinen Respekt vor seinem König. Das merkte Haito genau. „Das kostet extra!“, brummte er missgelaunt. Das Schiff hatte ihn sehr viel Zeit und Arbeit gekostet und Haito bezahlte schlecht. Die Augen der beiden Männer kreuzten sich wie Schwerter. Keiner sprach ein Wort.

Bramante zündete sich die Zigarre an und blies Haito den Qualm ins Gesicht. Er wusste, dass er der beste Schiffsbauer war. Niemand konnte ihn ersetzen. Haito war abhängig von ihm und das nutzte er jetzt gnadenlos aus.

„Zwanzig Goldstücke und ich mach es“, grinste er ihn an. „Ich lass mich nicht erpressen“, erwiderte Haito trocken. „Du tust, was ich dir sage.“ „Dann ritz dir deinen verdammten Namen doch selbst in dein königliches Boot“, grinste Bramante überheblich und ließ einen kräftigen Furz. Aber das hätte er besser nicht tun sollen. So konnte man sich einem König gegenüber nicht verhalten, auch wenn man der beste Schiffsbauer war weit und breit.

Haito senkte die Augenlider. Alles in ihm wurde jetzt gefährlich. Er spürte, wie er zur Natter wurde. Sein Körper vibrierte, niemand durfte so respektlos mit ihm umgehen. Niemand!

Dann schlug er zu. Mit einer blitzschnellen Bewegung riss er Bramante an sich, schleuderte ihn herum und legte seinen Arm wie eine Würgeschlange um seinen Hals. Eine unglaubliche Kraft durchströmte ihn und machte ihn zu einer tödlichen Waffe. Er wurde gelenkt und lenkte sich nicht mehr selbst.

Dann zückte er sein Messer und ließ es ganz langsam, als würde die Zeit stehen bleiben, an Bramantes Augen vorbei gleiten.

„Ich werde dich lehren, wie man sich seinem König gegenüber verhält.“

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