Leon Lorka

Entdecke das Geheimnis seiner Vergangenheit und vieles mehr ...

Kapitel 12

Haito erschien wie angekündigt am nächsten Tag in der Schiffsbaracke. Er wollte überprüfen, ob man seine Befehle auch befolgt hatte. Dicht gefolgt von Appeldorn, öffnete er mit einem Tritt die Tür. Zwolle hatte sich für diesen Tag krank gemeldet, denn Usurpa hatte ihm als Rache für den abgeplatzten  Knopf ein starkes Abführmittel in sein Frühstück gemischt, so dass er den ganzen Tag auf einer Tonne saß und am Abend 10 Kilo leichter war.

Haitos Augen glänzten wie das Gold, das Bramante in den Namenszug eingearbeitet hatte, als er die Werkstatt betrat. TANTALOS war auf dem Bug des Schiffes zu lesen. In großen, geschwungenen Lettern strahlte der Name weit sichtbar und verbreitete spürbar einen Hauch von Schrecken.

Bramante erschien mit einer blutverschmierten Kopfbinde, die sein abgeschnittenes Ohr verhüllte. Er sprach kein Wort. Sein Hass auf Haito war deutlich zu spüren. Sein König hatte ihn verstümmelt und entehrt. Das würde er ihm nie verzeihen. Aber der Zeitpunkt seiner Rache war noch nicht gekommen. Er musste jetzt noch klein bei geben, sonst wäre sein Leben in Gefahr. Haito kannte in solchen Fällen keine Gnade und würde ihn bedenkenlos töten, wenn er nicht seinem Befehl entsprach.

Statt der geforderten zwanzig Goldstücke für die zusätzliche Arbeit und den Materialwert des Schriftzuges, gab ihm Haito sieben. „Das reicht“, sagte er trocken als er ihm die Goldstücke auf dem Tisch warf. „Kannst froh sein, dass ich dir überhaupt etwas gebe.“

Bramante würdigte ihn mit keinem Wort. Er ließ die großen Flügeltüren seiner Werkstatt öffnen und mit einigen kräftigen Schlägen entfernte er die Keile, die das Boot auf dem Trockendock verankerten.

Ganz gemächlich setzte sich das Schiff in Bewegung und schob sich über die Rollen hinaus aus dem Schuppen und glitt elegant ins Wasser. Haito war begeistert, so ein schönes und stolzes Schiff hatte er noch nie gesehen. Mit einem gewaltigen Satz sprang er an Deck und zog mit einem Ruck das Segel auf.

Er hatte es nach seinen Vorstellungen anfertigen lassen. Ein schwarzes Segel mit Sonne, Mond und Sternen darauf, die Zeichen für seine Kinder.

Ganz allein segelte er um seine Stadt herum, um die Seetauglichkeit zu überprüfen. Das Schiff ließ sich leicht von einem Mann lenken, es war wendig und beweglich. Er überprüfte die Waffen und Fanggeräte, die auf den Schiffskörper montiert wurden und befand alles für ausgezeichnet.

Bramante hatte gute Arbeit geleistet, das wusste er, aber sein Gewissen über die ungerechte Bestrafung, rührte sich nicht. Haito hatte sich abgewöhnt, ein schlechtes Gewissen zu haben, es brachte ihm nichts ein. Er bereute nie etwas und dachte auch nie über seine Taten nach. Für ihn gab es kein Gestern, nur der nächste Tag zählte. Er war jemand, der tagtäglich um sein eigenes Leben kämpfte und das der anderen dabei vergaß.

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