Leon Lorka

Entdecke das Geheimnis seiner Vergangenheit und vieles mehr ...

Kapitel 13a

Leon hatte sich bereits von Argo verabschiedet. Es sollte kein Abschied für immer sein, das versprach er seinem Großvater hoch und heilig. „Ich komme wieder“, beteuerte er und Argo nickte. Aber er wusste, dass Leon gar nichts versprechen konnte, da er nicht einmal wusste, was ihn erwarten würde. Trotzdem wollte er ihm die Hoffnung auf ein Wiedersehen nicht nehmen und nickte zustimmend.

An diesem späten Abend wollte Leon über die Nebelwand fliegen. Er hatte diesen Zeitpunkt gewählt, um sich im Schutz der Dunkelheit erst einmal umsehen zu können. Er wusste ja gar nichts von der anderen Welt, aber sie rief ihn und er musste dem Ruf folgen.

„Pass gut auf ihn auf!“, bat er Argo und schaute nach unten ins Wasser, wo Bölie seine Kreise zog. „Oh, ich werde euch so vermissen“, flüsterte er unter Tränen als Nadu und Dana zu ihm hinaufblickten.

„Warum tu ich das nur?“, schüttelte er mit dem Kopf, aber sein Heimweh war stärker als seine Zweifel. Heimweh nach einer Heimat, die er gar nicht kannte. Aber er musste es tun, jetzt gab es kein Zurück mehr.

Leon drückte Argo stillschweigend die Hand, strich Doris sanft über ihren Kopf und flog einfach los. Der Wind nahm ihn freundlich auf und geleitete ihn wie ein guter Freund. Leon wollte zunächst an Höhe gewinnen, um in der kalten Front der Nebelwand nicht wieder abzusacken.

Wie ein Vogel aus einer fremden Welt kreiste er über dem Berg und sein ganzes Leben zog noch einmal an ihm vorbei, bevor er die Richtung nach Norden einschlug.

Der Wind stand günstig und der Mond hatte sich hinter einer einsamen Wolke verkrochen, um Leon ausreichend Schutz vor neugierigen Augen zu geben. Er hatte einen guten Augenblick gewählt, um in das Nordreich zu fliegen. Als ob er nie etwas anderes getan hätte als zu fliegen, drehte er ab und flog geradewegs auf die Nebelwand zu.

Je näher er kam, desto mehr wurde er nach unten gezogen. Der warme Aufwind ließ schlagartig nach und Leon segelte geradewegs in den Nebel hinein. Er war zu tief, das wusste er, jetzt konnte er nur noch hoffen.

Die Wolken nahmen ihm die Sicht und er flog blind durch eine graue Suppe, die kein Ende nehmen wollte. Der Nebel biss ihm in die Augen und verätzte seine Haut. Die Häute an seinen Flugknochen platzten auf und die ersten Risse durchzuckten die Segelhaut.

Leon verlor mehr und mehr an Höhe und der Nebel wurde immer beißender. Er konnte kaum noch atmen und die Schmerzen wurden unerträglich,  er wollte schreien, aber bevor auch nur ein einziger Ton seine Kehle verließ, lichtete sich der Nebel und er segelte in die neue Welt, die seine Heimat sein sollte.

Die Stadt Sanaka lag unter ihm und er steuerte geradewegs den nächsten festen Punkt an, den er erblicken konnte, bevor seine Flügel vollständig auseinander rissen.

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