Leon Lorka

Entdecke das Geheimnis seiner Vergangenheit und vieles mehr ...

Kapitel 14

An diesem Abend gab es Leon zu Ehren ein großes Fest auf dem Marktplatz. Der getötete Hai hing an einem langen Spieß über glühenden Holzscheiten und wurde seit Stunden gebraten. Männer und Frauen standen um den Fisch herum und rauchten und tranken und spekulierten, wer wohl dieser blonde Junge gewesen war, der Rio aus dem Meer gerettet hatte. Leon, wer war Leon?

Mehr wussten sie nicht von ihm, denn als sich die Aufregung am Hafen gelegt hatte, war er verschwunden. Niemand wusste, wohin er gegangen war, genauso wie niemand wusste, woher er gekommen war. „Er hat einen Hund“, sagte einer, aber das genügte auch nicht, um ihn zu finden. Nur die beiden Alten, die ihm die Waffen gestohlen hatten, ahnten, wo er sich aufhalten würde. Aber sie sagten kein Wort. Sie fühlten sich in seiner Schuld und wollten alles wieder gut machen.

Leon ließ sich nicht blicken. Er hatte sich mit Lorka in der kleinen Hütte zurückgezogen und wartete ab. Er wusste nicht genau, worauf er wartete, aber er spürte Unruhe in sich. Immer wieder erschien ihm das Gesicht von Kaja, die er nur einen Augenblick gesehen hatte.

Er kannte nur ihren Namen, aber er konnte diese bernsteinfarbenen Augen und die tiefe Trauer in ihrem Blick nicht vergessen. „Was machte sie da bei diesem Doktor? Hält er sie gefangen? Wieso gibt es auf der Plattform nur das Laboratorium und sonst nichts?“

Wie ein Hochsicherheitstrakt hob sich der bullige Bau von Ferne als eine Art Bunker vom Himmel ab. „Es ist schwer, dort hineinzukommen“, dachte er, aber er hatte es ja noch nicht einmal versucht. Es lockte ihn, aber er wusste nicht, wie er es anstellen sollte. Die Wände waren zu steil, um hochzuklettern. Und wahrscheinlich gab es auch nur einen Eingang. Die Aussichtslosigkeit spornte ihn noch mehr an. „Es gibt einen Weg“, sagte er zu sich, „man muss ihn nur finden. Es gibt immer einen Weg.“

Leon wartete noch eine Stunde bis zur vollkommenen Dunkelheit und machte sich dann auf, Kryptas Domizil zu erforschen.

Im Schutz der Nacht schwamm er durch das dunkle Wasser, während Lorka auf seine Kleidung aufpasste. Aber Krypta hatte vorgesorgt. Als Leon sich der Plattform näherte, entdeckte er sie.

Sieben oder acht Tulas saßen wie Wachposten an den Rändern des Daches und beobachteten die See. Noch konnten sie ihn nicht sehen, aber ihm war sofort klar, dass sie in ihrer Eigenschaft als Spionvögel dort eingesetzt worden waren, um jeden Eindringling rechtzeitig ausfindig zu machen und Doktor Krypta zu melden.

„So hat das keinen Zweck“, dachte Leon und kehrte unverrichteter Dinge zurück. Er wollte sich auf keinen Fall mit diesen widerlichen Vögeln auf eine Schlacht im Wasser einlassen. Er wäre ihnen unweigerlich unterlegen gewesen.

Es musste einen anderen Weg geben, dieser hier war nicht der richtige. „Du musst Geduld haben!“, hätte Argo ihm bestimmt geraten. „Ach Argo“, dachte Leon mit feuchten Augen, „wäre er jetzt nur bei mir“, und zum ersten mal seit drei Tagen musste er wieder an Zuhause denken.

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