Leon Lorka

Entdecke das Geheimnis seiner Vergangenheit und vieles mehr ...

Kapitel 2

Randolf war drei Stunden in Richtung Norden geflogen. Er kannte sein Ziel genau. In einem versunkenen Krater hatten sich vor Jahren die Rabis, eine besondere Art der Riesenseeschlangen, angesiedelt und legten dort in den schwarzen Felsspalten des Vulkans ihre Eier ab. Die Rabis konnten eine Länge von über 20 Meter erreichen, sie besaßen ein ausgeprägtes Familienbewusstsein und waren eine hochintelligente Spezies. Einige behaupteten sogar, sie hätten eine eigene Sprache. Die Rabis kannten keine natürlichen Feinde, selbst Haifische machten einen weiten Bogen um diese Meeresungeheuer. Ihr Furcht erregendes Aussehen stand im Gegensatz zu ihrem friedvollen Inneren.

Die Rabis lebten zurückgezogen nur für sich und ihre Treue zu ihrer Familie und besonders zu ihrer Mutter war über alle Ozeane bekannt. „Einen Rabi müsste man zum Freund haben“, hörte Randolf seinen eigenen Vater sprechen, aber noch nie hatten andere Lebewesen mit einem Rabi Freundschaft geschlossen.

Mit einer geschmeidigen Bewegung seiner Ohren drehte Randolf nach Westen ab und sah schon nach kurzer Zeit die schwarzen Kraterwände des versunkenen Vulkans unter sich. Aus höchster Höhe erkundete er ausgiebig das Gebiet, um einen geeigneten Eintauchpunkt für sein gewagtes Unternehmen auszukundschaften. Alles sollte wohlüberlegt sein, um das Risiko so gering wie möglich zu halten.

Mehr als eine Stunde umkreiste er das Gebiet, ohne ein Anzeichen von Nervosität zu verspüren. Dann aber war er soweit. Randolf hatte sich entschieden und jetzt musste alles sehr schnell gehen. Sein Körper war in höchster Anspannung, seine Augen hellwach. Wie ein Blitz durchstieß er die tief liegenden Schleierwolken und raste mit angelegten Ohren nahezu senkrecht nach unten. Er durchbrach die glitzernde Haut des Wassers und schoss wie ein Pfeil in die unbekannten Tiefen des schwarzen Vulkans.

Das Wasser war eiskalt. Aus den Kraterwänden quollen Hunderte von weiß sprudelnden Quellen und gaben dem Wasser eine milchige Färbung. Aber schon bald wurde es immer dunkler, das Wasser schien dicht und ölig und undurchdringbar. Wie eine Wand baute sich die flüssige Masse vor ihm auf.

Das Sonnenlicht am oberen Rand des Kraters schrumpfte zu einem Punkt zusammen und es wurde unheimlich still. Jedes Geräusch wurde durch die schwarzen Wände erstickt. Wie schwarze Farbe umgab ihn das Wasser. Randolf konnte nicht einmal mehr seine eigene Nase sehen. Er streckte seine grätenartigen Barthaare wie lange Fühler aus, um sich vorwärts zu tasten. Der Druck des Wassers presste seine Lungen zusammen, sein Kopf hämmerte. „Nur nicht die Besinnung verlieren“, dachte er und stieß an eine Wand. Langsam tastete er sich vorwärts. Er spürte, dass er immer noch auf dem Weg nach unten war. Meter für Meter hangelte er sich an der scharfkantigen Felsenwand entlang und drang immer tiefer in den Schlund des Kraters ein.

Plötzlich fühlte er eine Felsspalte und tauchte nach links ab. Geschickt schlängelte er sich durch einen schmalen Gang im Gestein und trieb sich selbst immer weiter voran. Sein Herz pumpte, seine Lungen schmerzten und allmählich durchdrang die unbarmherzige Kälte die Haifischpaste und sein Körper begann auszukühlen. Randolfs Bewegungen wurden langsamer, seine Ohren verloren an Geschmeidigkeit und seine Barthaare begannen zu erstarren.

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