Leon Lorka

Entdecke das Geheimnis seiner Vergangenheit und vieles mehr ...

Kapitel 15

Doktor Krypta erwachte am frühen Morgen. Der Nebel lag noch frostig und grau über dem Meer und drang wie kalter Rauch durch die Luftschächte in das Laboratorium. Als ob sich die Transportschiffe, die in den nächsten Tagen eintreffen sollten, bereits ankündigten, war der eisige Wind des Nordens schon jetzt spürbar.

Krypta stand auf, reckte seine dünnen Glieder und schaute in den Spiegel. Seine schwarz-braunen Zähne waren mit einem pelzigen Belag überzogen. Er roch seinen schlechten Atem, der faulig aus seinem Bauch heraus kroch. Er hatte Magenschmerzen. Seit Jahren schon plagten ihn diese beißenden Schmerzen, aber er hatte sie trotz seiner medizinischen Kenntnisse nie in den Griff bekommen. Das einzige, was ihm vorübergehend half, waren ganz spezielle Tiefseepilze, die er von den Humanos kaufte.

Aber es war schwer sie zu bekommen, denn es war gefährlich, so tief hinabzutauchen und nicht jeder wagte es. Darum stieg der Preis für diese Pilze auch von Jahr zu Jahr. Aber Krypta war darauf angewiesen und so bezahlte er grimmig jeden Preis.

In einem durchsichtigen Behälter mit öliger Flüssigkeit schwamm der Rest seines Vorrates schwarz und schlabberig wie verbrannte Ohrläppchen herum. Er griff mit seinen braunen Fingernägeln in den Krug und angelte sich die letzten drei Morcheln. Sie schmeckten bitter und ein bisschen nach Holz. Er zerkleinerte sie mit seinen Zahnstümpfen zu einer gummiartigen Masse und ließ sie genüsslich die Speiseröhre hinunterrutschen.

Der Schmerz ließ nach und er verließ mit eiligen Schritten sein Zimmer. Kaja wachte, wie er ihr es aufgetragen hatte, immer noch bei dem Patienten. „Geh schlafen!“, sagte Krypta und schob sie beiseite.

Er begutachtete sein frisch operiertes Opfer. Die Klebenaht zwischen Hüfte und Oberschenkel sah gut aus, nichts hatte sich entzündet, der Mann atmete ruhig und sein Herz schlug regelmäßig. Nur seine Mundwinkel waren von dem Füllhorn beängstigend weit aufgerissen und gelber Schorf hatte sich in den Furchen gebildet.

Kryptas Magen schmerzte immer noch empfindlich. Er aß einige Knollen einer puderigen Pflanze, aber die Linderung war nur geringfügig. Er brauchte dringend frische Tiefseepilze. Lieblos warf er einige betäubende Mittel in das Füllhorn und spülte sie mit dem abgestandenen Wasser in den aufgeblähten Bauch des Patienten. Dann verließ er das Laboratorium.

Vom Rand seiner Plattform winkte er einem Boot und ließ sich zu Haitos Schloss rudern. Er wusste, was er wollte und er würde alles versuchen, es zu bekommen.

 

Krypta betrat den großen Saal wie üblich durch den Seiteneingang und ging geradlinig auf Haito zu, der auf seinem Thronsessel saß und versuchte, mit seiner Peitsche dicke, fleischige Fliegen im Flug zu zerteilen.

Haito registrierte ihn nicht, obwohl er ihn bereits vor seinem Eintreten bemerkt hatte. Krypta kannte seit Jahren diese Art der Begrüßung, aber er gab nichts drauf. Haito missachtete zunächst jeden, der zu ihm kam. Das war einfach so und Krypta hatte sich daran gewöhnt.

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