Leon Lorka

Entdecke das Geheimnis seiner Vergangenheit und vieles mehr ...

Kapitel 16

Leon hatte sich indessen mit Rio angefreundet. Er saß neben ihm in der kleinen Hütte am Rand der Insel, von wo aus man einen guten Blick auf Kryptas Plattform hatte. Rio kramte in einer Kiste und holte eine Flöte hervor, die er sich aus einem Bambusstab geschnitzt hatte.

Es war ein langes, knotiges Rohr mit unendlich vielen Löchern, aus denen seltsame Töne hervorkamen. Leon hatte so etwas noch nie gehört. Er kannte keine Musik, außer dem Gesang von Amadeus.

Rios Mutter Samanta kochte nebenbei Essen in einem von Ruß verschmierten Topf, während Rio seinem neuen Freund die schönsten Lieder auf seiner rauchig klingenden Flöte vorspielte. Lorka lag daneben und genoss genau wie Leon die heiseren Klänge, die aus dem Bambusholz hervordrangen wie trockener Staub, der sich an einer Felswand rieb.

„Die Leute wundern sich, wo du herkommst“, sagte Samanta und ließ ihren Zigarrenstummel von dem rechten in den linken Mundwinkel wandern. „Solange sie sich nur wundern, ist alles in Ordnung“, sagte Leon leise und beobachtete Kryptas Bunker, aus dessen Luftschächten gelbes Licht schwach hervordrang.

Rio blies sanft in seine Flöte und Leon hing seinen Gedanken nach, während Samanta vor sich hin plauderte. Sie meinte, Leon aus Dankbarkeit für seine Rettungstat, alles aus ihrem Leben erzählen zu müssen.

Leon erfuhr, dass Rios Vater vor vielen Jahren spurlos verschwunden war. Genauso wie viele andere Bewohner der Insel plötzlich nicht mehr aufgetaucht waren. Immer hieß es, Haie hätten sie gefressen. „So viele Haie gibt es gar nicht, wie wir Männer und Frauen und Kinder verloren haben“, murmelte Samanta und nahm einen tiefen Schluck aus ihrem Jauchekürbis, der ihr heute Abend besonders gut schmeckte.

Leon lauschte der Musik und streichelte Lorka. Sie beide waren unzertrennlich geworden und er konnte sich gar nicht mehr vorstellen, ein Leben ohne ihn zu führen. Lorka spürte Leons Zuneigung und legte sich auf seine Füße, um ihm auf seine Art zu zeigen, dass auch er einen lebenslangen Freund gefunden hatte. Sie waren füreinander gemacht worden, daran gab es überhaupt keinen Zweifel.

Samanta summte mit ihrer tiefen Stimme zu den Melodien von Rio und schuppte drei kleine Fische ab, die sie über dem Feuer braten wollte. Im Topf blubberte eine sämige Masse vor sich hin, die ein bisschen nach Tang und altem Fett roch. Leon schaute aufs Meer und sah wie ein Stern nach dem anderen aufging und den Himmel wie eine große Zimmerdecke erleuchteten. Er fühlte sich wohl bei Samanta und Rio. Sie waren gute Menschen, das spürte er.

Immer wieder streiften seine Blicke die Insel von Krypta. Plötzlich tauchte aus dem Dunkel ein kleines, weißes Schiff auf und legte an Kryptas Plattform an. Leon zog die Augen zusammen, um besser sehen zu können. Das Schiffchen wurde von vier Leuten gerudert und vorne an Bug stand eine kleine, etwas rundliche Gestalt in weißer Kleidung. „Wer ist das?“, fragte Leon neugierig, ohne seinen Blick von dem Geschehen abzuwenden. Irgendetwas passierte dahinten.

Rio nahm die Flöte aus dem Mund und blickte in die Richtung, in die Leon zeigte. „Das ist Pullmann. Besser gesagt von Pullmann. Er ist adelig.“

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