Leon Lorka

Entdecke das Geheimnis seiner Vergangenheit und vieles mehr ...

Kapitel 18

Am nächsten Tag herrschte überall auf den Inseln der Humanos helle Aufregung über das Verschwinden ihrer Mitbürger. Auch wenn sie nur eine wild zusammen gewürfelte Schar von ehemaligen Gaunern und Schurken waren, so hatten sie doch im Laufe der Jahre ein deutliches Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt.

Sie waren alle keine Engel und das Verbrechen stand auf der Tagesordnung. Aber diese Ungerechtigkeit schweißte sie mehr denn je zusammen. Sie wollten Rache. Sie wollten ihre Leute zurück. Besonders, weil es sich um Frauen und Kinder handelte, konnte sich keiner dem gemeinsamen Aufschrei entziehen. Immer wieder fiel Haitos Name. Er war für sie auch ohne Verurteilung der Schuldige. Aber was sollten sie tun?

Der einzige, der sie geordnet zu einem gemeinsamen Vorhaben hätte anführen können, war auch verschwunden. Virgo, der heimliche König, war nicht mehr da. Jetzt sollte es von Pullmann richten. Aber der mischte sich nie ein. Er war ausschließlich an seinen Geschäften interessiert und an Gala. Aber die konnte er nicht bekommen. Sie stand ganz unter dem Einfluss von Haito und war für ihn schon seit Jahren in weite Ferne gerückt.

Die wichtigsten Vertreter der einzelnen Humano-Plattformen hatten sich auf dem Marktplatz von Sanaka versammelt und beratschlagten, was sie tun könnten. Sie gestikulierten wild herum und debattierten heftig. Jeder schrie ungefragt seine Meinung in die aufgebrachte Runde, aber keiner hörte dem anderen so richtig zu. Keiner wollte Verantwortung übernehmen oder konnte es nicht.

Nicht einmal Pinto, der ein angesehener Geschäftsmann war, konnte sich durchsetzen. Alle waren da, sogar Bramante von den Schiffsbauern und einige Vertreter der Seegurkenarbeiter, ein Waffenschmied, ein Schneider, ein Bäcker, mehrere Fischer, einige Robbenfänger und Seekuhjäger, Häuserbauer, Seegrasverkäufer und Jaucheerzeuger, mehrere Zigarrenhersteller, Kürbisflaschenschnitzer und zwei Stellvertreter des Wachpersonals, die eigentlich die Aufgabe hatten, die Straßen nachts sicher zu machen. Aber da sie niemand dafür bezahlte, nahmen sie ihren Dienst auch nicht besonders ernst, sonder bewachten vornehmlich die Häuser der Reichen, die sie dafür mit etwas Gold und Jauche entlöhnten.

So kam es, wie zu erwarten war, zu keiner Einigung und zu keinem Plan, den man gemeinsam verfolgen wollte.

In dem Augenblick, wo sich alle wieder resigniert zurückziehen und ihrer Arbeit widmen wollten, erschien Leon mit Lorka auf dem Platz. Er ging geradewegs zum Brunnen, um Wasser für sich und Lorka in eine Kürbisflasche zu füllen. Sein blutverkrustetes Hemd klebte an seinem Körper und um die verletze Stirn hatte er sich einen Stofffetzen gewickelt wie die Krone eines Verwundeten. Alle Blicke fielen auf ihn.

Natürlich hatte es sich auf den einzelnen Inseln herumgesprochen, dass  es in Sanaka ein neues Gesicht gab. Leon soll er heißen, hatten sie gehört. Manche sprachen von dem blonden Jungen mit dem Hund, vom Retter und manche auch von dem Wunderknaben.

Einige sahen auch eine Verbindung zwischen ihm und dem Brand auf dem schwarzen Block. Sogar das plötzliche Verschwinden der Tulas, die ihnen allen äußerst verhasst waren, wurde Leon zugesprochen.

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