Leon Lorka

Entdecke das Geheimnis seiner Vergangenheit und vieles mehr ...

Kapitel 19

Kaja stand neugierig neben dem Operationstisch und beobachtete, wie Krypta das Füllhorn aus dem ausgefransten Mund seines Patienten entfernte. Sein Name war Hamann, er war der Sohn einer angesehenen Fischerfamilie, die ein gut gehendes Geschäft in Sanaka betrieben. Es war der Tag gekommen, an dem Hamann seine ersten Schritte wieder machen sollte.

Krypta hatte die betäubenden Mittel reduziert, so dass sein Patient allmählich wieder das Bewusstsein zurückerlangte. Er öffnete die Augen und spürte, wie sich die Fesseln um seinen Brustkorb lösten. Auch Hände und Füße wurden ihm losgebunden und zum ersten Mal seit einigen Tagen spürte er seine Lippen und Zähne wieder, die vorher von dem Füllhorn auseinander gerissen worden waren.

Er hatte Schmerzen, aber er fühlte neues Leben in sich aufkeimen. „Steh auf!“, befahl ihm Krypta harsch, und stellte sich einen Schritt zurück, um sein Experiment genau beobachten zu können.

Hamann konnte nicht sprechen. Als ob sein Hals und seine Kehle ausgetrocknet wären, vermochte er nur ein leichtes Röcheln hervorzubringen. Aber er verstand und schemenhaft erkannte er das Laboratorium, in dem er seit Tagen festgeschnallt war. Auch seine Erinnerung kam zurück und er sah sich mit abgerissenem Bein am Hafen liegen. Dann erinnerte er sich an Krypta, der ihn auf sein Boot verladen ließ. Danach war alles schwarz. Er wusste von gar nichts. Die betäubenden Mittel hatten ihm ein Stück seines Lebens gestohlen und unwiederbringlich dem Vergessen überlassen.

Er schaute an sich hinunter und erkannte die große Klebenaht zwischen Hüfte und Oberschenkel. Das Bein war wieder dran. Ein Lächeln huschte über sein gebeuteltes Gesicht, das so elend und mitgenommen aussah wie ein zertretener Seestern.

Langsam hob er den Kopf von dem verschwitzten Kissen, das seit mehr als zehn Jahren nicht gewaschen worden war und die Körpersäfte von vielen Tieren und Menschen in sich aufgesogen hatte wie ein gieriger Blutschwamm.

Hamann schaute Krypta an und es war ihm bei dessen Anblick nicht geheuer. Er mochte ihn nicht, aber er war nicht die Ausnahme, eigentlich niemand mochte Krypta. Aber jetzt war etwas anderes viel wichtiger.

Er zuckte mit den Muskeln und spürte Leben in seinem neuen Bein. Wieder huschte ein Lächeln über sein Gesicht, das Krypta ganz genau registrierte. Hamann schaute sein blutverklebtes Bein an, es war in Ordnung, nur irgendetwas stimmte nicht. Der Fuß hing so seltsam unten dran und wo war sein Knie? Er schüttelte mit dem Kopf, um klarer sehen zu können. Noch hatte er einen Schleier vor den Augen, aber nach und nach sah er klarer.

Er setzte sich auf und ließ seine Beine vom Operationstisch bis auf den Boden baumeln. Aber das verletzte Bein stand ganz seltsam ab und wollte sich nicht so recht seinem Willen beugen.

Irgendetwas stimmte nicht. War er so von Sinnen? Hatte er Sehstörungen? Er konnte es nicht glauben. Das durfte nicht wahr sein. Der letzte Versuch sollte ihm Klarheit bringen.

Er stellte sich auf und versuchte einen Schritt zu tun. Der Schmerz jagte durch seinen Körper, aber Schmerzen war er gewöhnt. Die konnten ihn nicht umbringen. Aber das, was er jetzt entdeckte, brachte ihn um den Verstand.

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