Leon Lorka

Entdecke das Geheimnis seiner Vergangenheit und vieles mehr ...

Kapitel 3

Leon hatte ein Ziel. Er kannte seinen Großvater zwar aus Erzählungen, aber eigentlich wusste er nichts von ihm. Trotzdem zog es ihn dorthin. „Argo ist ein richtiges Raubein“, hatte einmal Frau Latnork gesagt. Aber für die Latnorks war sowieso jeder ein Raubein, so etepetete wie die waren.

Er wusste von Argo nur, dass er zu niemandem Kontakt hatte. Keiner besuchte ihn und er hatte seinen Berg außer zur Jagd noch nie verlassen. Argo hatte keine Freunde. Er war einfach zu ruppig und stieß jeden vor den Kopf, der freundlich zu ihm war. So blieb er allein und wurde nach Sentas Verschwinden sehr merkwürdig. Aber was er da auf seinem Berg machte, wusste keiner so genau.

Außerdem mochte er keine Menschen. Die waren ihm wie gesagt zu feige und zu schwach. Aber das konnte Leon nicht abschrecken. Er war immerhin Leon Lorka, das jüngste  Familienmitglied. Dagegen konnte selbst Argo nichts ausrichten.

„Wir fahren zu Argo. Doris komm, pack deine Sachen“, rief Leon im Scherz. „Oh, Argoli, bösili“, krächzte Doris. „Nein, hör schon auf, bei dir ist aber auch wirklich jeder bösili. Argo ist immerhin mein Großvater.“ „Oh, grofifi, bösili“, krächzte Doris erneut. Aber Leon hörte gar nicht mehr hin. Er befestigte die Holzkiste mit dem Rabi-Ei an dem Mast seines Floßes. „Komm Doris, das ist ein schöner Platz."

Leon klopfte auf den Deckel der Kiste. „Oh Rabili...“, „nein“, unterbrach Leon, „Rabili nix bösili, Dorili bösili, wenn du nicht endlich damit aufhörst-li.” Doris war beleidigt. Sie setzte sich auf die Holzkiste und würdigte Leon mit keinem Blick mehr.

Leon war bereit. Er griff nach seiner Harpune und dem Köcher mit den Pfeilen und war im Begriff, die Insel zu verlassen. „Das Krötenfett“, dachte er. „Es nützt zwar nichts, aber es schadet auch nicht.“ Mit einem Satz sprang er zurück auf den Felsen, lief in sein Zimmer und steckte die kleine Dose mit dem Krötenfett ein. Er wollte alles so schnell wie möglich hinter sich bringen. „Ein langer Abschied ist auch immer ein schwerer Abschied“, dachte er. Aber er blieb dennoch stehen und schaute aus dem Fenster seines Zimmers.

Wie oft hatte er hier schon hinausgesehen und wie oft war er schon aus diesem Fenster ins Meer gesprungen. Hier schien nachts der Mond herein und am Tage die Sonne. Durch dieses Fenster hatte er seine Welt kennen gelernt und hierdurch wollte er sie auch wieder verlassen. Leon nahm Anlauf und sprang entschlossen hinaus in sein neues Leben. Er würde nie wieder einen Fuß auf diese Steine setzen. Das Wasser war jetzt sein zuhause und er sein eigener Herr.

 

Er hisste das Segel und nahm Kurs auf Nord. Der Felsen schrumpfte hinter ihm zusammen und ragte schließlich nur noch wie eine Haifischflosse aus dem Meer. „Mein Ziel liegt vor mir“, machte sich Leon Mut und drehte sich für immer um.

Die erste Nacht brach herein. Er war ein gutes Stück vorangekommen. Wie viel aber, wusste er auch nicht. Der Mond wollte sich an diesem Abend einfach nicht zeigen. Es war stockdunkel. Doris hatte den ganzen Tag nichts gesagt. Wie eine Galionsfigur saß sie auf dem Rabi-Ei-Kasten und spielte die Beleidigte. Auch Nadu hatte sich nicht blicken lassen. Leon fühlte sich allein. Er legte sich auf den Rücken und schaute in den nachtschwarzen Himmel. Er sah Rosa und Randolf als Engel davonfliegen und er träumte von Argo.

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