Leon Lorka

Entdecke das Geheimnis seiner Vergangenheit und vieles mehr ...

Kapitel 23b

Hoch aufgerichtet durchschritt er die Menge, die vor ihm auseinander ging und sich hinter ihm wieder schloss. Begleitet von Gala und Leon und Lorka, gab er eine eindrucksvolle Gestalt ab, die sich von allen anderen deutlich abhob. Was ihn aber noch königlicher erscheinen ließ, war die Begleitung von Leon. Er war für die Humanos der wahre König, obwohl er dafür eigentlich noch zu jung war. Aber sein gutes Herz strahlte wie eine Sonne und keiner konnte sich ihrer Wärme entziehen.

Aber auch Haito hatte an Glanz gewonnen. Er kam unbewaffnet und nur die Kraft seiner bloßen Ausstrahlung half ihm, von niemandem angepöbelt zu werden. So erreichten sie die Spitze des Marktplatzes, wo ein kleines Podest aufgebaut war, für jeden, der zu der Menge sprechen wollte.

Kurz vor Haitos Eintreffen hatte Virgo die Humanos von dort aus zum Kampf aufgerufen, aber er konnte sie nicht so richtig überzeugen. Er sprach davon, dass niemand ungestraft ihnen ihre redlich erworbenen Besitztümer wegnehmen dürfe und dass sie ihr Hab und Gut bis auf den letzten Blutstropfen verteidigen sollten.

Die meisten merkten, dass er sich bloß als starken Mann aufspielen wollte, obwohl er die Aussichtslosigkeit der Situation selbst längst erkannt hatte. Aber Virgo war eben durch und durch eitel und sein ganzes Leben bestand darin, möglichst viel Anerkennung von anderen zu bekommen. Aber diesmal war es ein aussichtsloser Versuch und auch die Anerkennung blieb in dem Maße aus, wie Virgo es sich gewünscht hätte.

Einige waren auf seiner Seite und wären am liebsten sofort in die Schlacht gezogen, aber gegen wen sollten sie kämpfen? Gegen Schiffe, die übermächtig in respektabler Entfernung vor Anker lagen und jederzeit losschlagen konnten? Und mit welchen Waffen? Der Beifall für Virgo hielt sich also in Grenzen und man wartete gespannt auf das, was Haito zu sagen hatte. Immerhin war er ihr König.

Haito bestieg das Podest, begrüßte Virgo mit einem kurzen Kopfnicken und wandte sich den Humanos zu, die in voller Erwartung ihn anblickten. Leon und Gala hielten sich im Hintergrund, aber jeder erkannte, dass die beiden zu ihm gehörten.

„Gebt mir die Schuld“, begann Haito seine Rede, „ich nehme sie auf mich.“ Er machte eine kleine Pause, um vereinzelte Stimmen abklingen zu lassen. „Aber es bringt uns alle nicht weiter“, fuhr er fort.  „Ich komme unbewaffnet. Ihr könnt mich steinigen oder töten, gleich hier, wenn ihr wollt, aber es bringt uns nicht weiter.“

Die Menge sah ihn gespannt an. „Es gibt auch keinen Plan, der uns jetzt helfen würde. Wir müssen entscheiden, wenn es soweit ist. Steiner wird angreifen, das ist sicher. Wer dann noch sein Hab und Gut verteidigen will, ist ein Narr. Rettet euer Leben, das ist das höchste Gut, was euch Gott gegeben hat, alles andere ist zu ersetzen.“

Virgo mischte sich ein. „Wir können nicht alles aufgeben, was wir uns in den letzten Jahren aufgebaut haben“, rief er voller Entrüstung in die Menge. „Das ist nicht fair. Recht muss Recht bleiben.“

Virgo hätte bei seinen Worten am liebsten selbst losgeheult, so gerührt war er von  sich selbst und dieses Gefühl griff auch auf die Zuhörer über. „Nein, das ist nicht gerecht“, riefen sie immer wieder und fuchtelten wild mit ihren Armen in der Luft herum, als ob da die Lösung ihrer Probleme läge.

„Nein, das ist nicht gerecht!“, schrie ein alter Fischer voller Leidenschaft und schlug sich mit der Hand immer wieder  vor die Stirn, bis er besinnungslos zusammenbrach. Aber was nicht gerecht war, das wusste letztendlich wohl keiner so genau.

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