Leon Lorka

Entdecke das Geheimnis seiner Vergangenheit und vieles mehr ...

Kapitel 4a

„Das Leben ist schön“, dachte Leon. „Es könnte so bleiben, wie es ist.“ Jeden Tag ging er schwimmen und tauchen. Das Wetter war herrlich, der Wind stand gut und alles schien in Ordnung. Das Rabi-Ei pochte zunehmend an die Schale, die Geburt stand kurz bevor.

Doris war sehr aufgeregt, denn sie hatte eine begründete Angst vor diesen grauenvollen Riesenschlangen. Selbst Leon konnte sie nicht beruhigen. Dass es doch nur ein Baby ist, genügte ihr nicht. Sie wusste, dass Rabi-Schlangen die größten Tiere des Meeres waren und ihr Aussehen von keinem Lebewesen an Scheußlichkeit übertroffen wurde.

Doris war schließlich über siebzig Jahre alt und hatte schon sehr viel gesehen. Leon aber war jung und kannte keine Angst. Das machte ihn unantastbar.

Er freute sich auf das Baby, schließlich hatte Randolf es ihm unter Einsatz seines Lebens geschenkt. Dieses Geschenk wusste er zu schätzen und er spürte auch, dass der Rabi etwas ganz Besonderes für ihn sein würde. „Er wird dich beschützen“, hatte Randolf gesagt.

Leon brauchte Freunde, er wusste, dass er seine Aufgaben nicht alleine bewältigen könnte. Das Herz eines Rabis war ein unschätzbarer Wert, wenn es für einen Freund schlug.

 

Am nächsten Tag war es soweit. Leon nahm das Ei aus der Holzkiste und hielt es gegen die Sonne. Die Schale war deutlich dünner geworden und die Konturen der kleinen Schlange klar zu erkennen. Sie füllte beinahe das gesamte Ei aus. Zusammengerollt lag sie in ihrem Geburtshaus und wartete auf ihre Befreiung.

Wusste sie nicht, dass sie es selbst tun musste? Niemand hätte für sie die Schale zerschlagen, das war ihre Aufgabe. Die Flüssigkeit im Ei war aufgebraucht, jetzt musste es bald passieren. Der erste Schritt ins Leben war für jedes Tier ein anstrengender Kraftakt.

„Wie soll ich den kleinen Rabi nur nennen?“, dachte Leon. „Welchen Namen würdest du ihm geben?“, fragte er Doris.

„Rabili bösili“, krächzte sie nur. „Nein, Doris, der Rabi ist lieb.“ „Rabili bösili“, erwiderte sie patzig. „Nein lieb“, konterte Leon. „Bösili“, wiederholte sie trotzig. „Lieb“, gab Leon zurück, den das Spiel amüsierte.

So ging es eine Weile hin und her, bösili, lieb, bösili, lieb, bis Leon ein Gedanke kam. „Schließen wir einen Kompromiss“, sagte er. „Du hältst den Rabi für böse, ich finde ihn lieb. Warum nennen wir ihn dann nicht einfach Bölie, dann hat er von beidem etwas.“

Doris spitzte ihren Schnabel, was heißen sollte, dass sie nachdachte, wog ihren Kopf abwägend hin und her und war einverstanden. „Bölie gutili“, krächzte sie zufrieden. Damit stand es fest. Sollte der kleine Rabi seine Schale endlich verlassen, würde er Bölie heißen. „Ein schöner Name“, dachte Leon „und so ausgefallen. „Bölie“, der Name ging ihm sehr leicht über die Zunge.

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