Leon Lorka

Entdecke das Geheimnis seiner Vergangenheit und vieles mehr ...

Kapitel 4b

Leon war wie versteinert. Er hielt sich an Nadu fest, der dicht neben ihm schwamm. Vor seinen Augen starb jede Hoffnung. Er schwamm im Wasser und konnte nichts machen. Er konnte nur zusehen, wie seine Zukunft in den gierigen Mägen der Seespinnen verschwand. Es war der schlimmste Tag in seinem Leben.

Er hatte Doris verloren und wusste nicht mehr weiter. Was sollte jetzt werden? Bölie strich sanft um seine Schulter, als ob er seine Trauer spüren würde. Das war das Ende. Aber es kam noch schlimmer.

Ein Schwarm der Spinnen hatte Leon entdeckt. Ein kleiner Pulk löste sich aus der Traube der fressenden Meute und nahm Leon ins Visier. „Sie wollen mich“, dachte er. „Sie wollen mein Fleisch.“ Da berührte ihn etwas an seinem Bein, er zuckte zusammen und direkt vor ihm tauchte Doris auf. Sie schnappte nach Luft. „Spinnili bösili“, krächzte sie und spuckte in hohem Bogen einen Schwall Meerwasser in die Luft. Sie hatte es geschafft. „Du kannst ja tauchen“, rief Leon. „Oh Doris, wie schön, dich zu sehen“ und er umarmte sie heftig. „Spinnili bösili“, prustete sie und war völlig außer sich. Leon freute sich so sehr, dass er für einen Augenblick seine ausweglose Situation vergaß.

Aber die Spinnen kannten kein Erbarmen. Der kleine Pulk hatte sich einige Meter über ihm zu einer zweiten Wolke formiert. Sie planten ihren Angriff. Das Gekreische wurde immer heftiger. Sie tobten wie ein Tornado über ihm, dann wurde es still. „Abtauchen“, schrie Leon, als sich die Monster wie ein Fluch auf ihn stürzten. Eines der Bestien erwischte ihn noch am Ohr und biss sich fest. Er zog die Spinne mit unter Wasser, aber sie ließ nicht los. Sie fing sofort an zu fressen. Töten war ihr wichtiger als selbst getötet zu werden. Er riss das widerliche Ding ab und zerquetschte es voller Hass in seiner Hand. Es knackte zwischen seinen Fingern und er schüttelte die klebrigen Überreste von seiner Hand ab. Blut trat aus seinem Ohr aus, aber er spürte den Schmerz nicht. So groß war die Gefahr.

Leon schaute nach oben, einige der Seespinnen zappelten auf der Wasseroberfläche und bissen aus blinder Gier in das Wasser. Wie sollte er jetzt wieder auftauchen? Doris schwamm mit aufgerissenen Augen dicht neben ihm, sie hatte Angst. Was sollte er tun? Wohin konnten sie sich retten, bis der Angriff vorüber war? In seinem Kopf hämmerte es, er hatte nicht unendlich Luft und auch Doris musste bald wieder auftauchen. Oberhalb des Wassers würden sie zerfleischt, das stand fest.

Nadu erkannte die Situation genau. Gemeinsam mit Dana gab er die Fluchtrichtung an. Sie wedelten aufgeregt mit ihren Schwanzflossen. Leon wusste, was das zu bedeuten hatte. Er sollte ihnen folgen. Ein Blick auf die Seespinnen verriet ihm, dass es keine andere Chance mehr gab. Er musste sich jetzt auf seine Freunde verlassen. Selbst konnte er sich nicht mehr helfen. So schwamm er hinter Nadu und Dana her, die tief zwischen die Felsen abtauchten. Doris folgte ihm, was hätte sie auch anderes tun können.

Ihr Vertrauen zu Leon war grenzenlos. Nadu nahm Kurs auf die Felsspalte, in der Leon die Sternlinge gefunden hatte. Dana übernahm die Nachhut und Bölie schwamm dicht neben Doris. Für ihn war es ein Leichtes, stundenlang unter Wasser zu bleiben, aber Doris war eine Möwe. Sie konnte fliegen, vorausgesetzt sie wollte es auch, aber unter Wasser herumzutauchen, war absolut nicht ihre Sache.

Tiefer und tiefer drangen sie in die röhrenförmige Felsspalte ein, ohne Aussicht auf Rettung. Nur das schwache Licht, das Leon schon bemerkt hatte, lag wie ein Hoffnungsschimmer weit vor ihnen.

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