Leon Lorka

Entdecke das Geheimnis seiner Vergangenheit und vieles mehr ...

Kapitel 5a

Leon hockte auf dem Floß und sah den schwarzen Felsen von Argo in weiter Ferne immer näher auf sich zukommen. Noch lag er in einem blauen Dunstschleier, der von der Nacht übriggeblieben war. Aber die Sonne machte sich gerade mit gewaltiger Kraft bereit, die nasse Kühle der Nacht zu verscheuchen. Nebel lag über dem Meer und der Horizont im Osten färbte sich ganz vorsichtig rot ein.

Nadu und Dana begleiteten Leon in einigem Abstand, da ihnen Argo einfach nicht geheuer war. Bölie war bereits um das Doppelte gewachsen und hatte jetzt schon das Ausmaß einer ernstzunehmenden Seeschlange. Leon schätzte Bölie auf zwei bis drei Meter, aber das war erst der Anfang. Noch war er recht dünn, aber auch das sollte sich bald ändern.

Doris brauchte viel Zeit, um sich von ihrem anstrengenden Flug zu erholen. Sie genoss es, Leon gerettet zu haben und wurde von ihren Freunden dafür mit ausreichend kleinen und großen Fischen belohnt, die sie ihr ständig brachten. Leon war noch zu schwach, um irgendetwas zu essen. Die Milch, die Argo ihm gab, tat ihm gut. Sie erinnerte ihn an die Heilmilch von den Schlingpflanzen aus dem Sumpf, nur diese hier war nicht so stark. „Vielleicht hat er sie verdünnt“, dachte er, „vielleicht bilde ich es mir aber auch nur ein.“ Er wollte das später herausbekommen, jetzt war es erst einmal wichtig gesund zu werden.

Er beobachtete Argo, der das Floß durch das Wasser zog, ohne sich auch nur einmal umzudrehen. Er schien völlig in Gedanken zu sein. „Ob ich ihn jemals kennen lerne“, fragte sich Leon. „Er ist so verschlossen, in seinen Augen kann man nicht lesen. Er ist wie ein Grab. Was macht ihn nur so unnahbar?“

Argo besaß eine ähnliche Harpune wie Leon. Nur etwas größer. Er hatte sie mit einem Köcher voller Pfeile auf den Planken abgelegt, weil sie ihn beim Fliegen behinderte. „Wozu trägt er so eine Waffe“, dachte Leon und schaute sich vorsichtig die Harpune an, ohne sie zu berühren. „Er muss wohl eine Menge Feinde haben, ansonsten könnte er sich doch auch so verteidigen. So groß und so stark wie er ist.“

Argo war bestimmt drei Köpfe größer als Randolf und er sah aus wie ein Krieger. Seine Schuppen umgaben ihn wie einen Panzer und tiefe Risse und vernarbte Wunden erzählten von unzähligen Schlachten, die er geschlagen hatte. Sein Körper spannte sich unter den Muskeln und alles an ihm wirkte schwarz, nur seine Barthaare hingen lang und aschgrau über seine Brust. Seine grünen Augen funkelten wie zwei Edelsteine und seine Flughäute waren um einiges größer als die von Randolf. Er war wirklich ein beeindruckendes Segelohr, nicht ohne Grund hatten alle so einen Respekt vor ihm.

Leons Fieber sank und er fühlte sich schon viel besser. Er beobachtete seinen Großvater, der unbeirrt das Floß gen Heimat zog. Er konnte seine enorme Kraft und Anspannung bis zu sich herunter spüren, aber seine Gedanken blieben ihm verborgen. „Was für ein Mann“, dachte Leon, „kein Wunder, dass er die Menschen für schwach und feige hält.“

Leon erkannte die schwarzen Punkte zuerst, die sich am aufgehenden Morgenhimmel abzeichneten. Drei flatternde, dunkle Gestalten kamen auf sie zu und nahmen direkten Kurs auf das Boot. Noch konnte man nicht erkennen, wer es war, aber die Gefahr, die in der Luft lag, war deutlich zu spüren.

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