Leon Lorka

Entdecke das Geheimnis seiner Vergangenheit und vieles mehr ...

Kapitel 5b

Er hatte bereits eine Länge von vier Metern erreicht und entwickelte sich allmählich zu einer ernstzunehmenden Seeschlange, die bei anderen Meeresbewohnern sicherlich schon einen gewaltigen Respekt auslöste. Aber er war noch recht dünn. Sein Körper hatte nicht einmal die Dicke von Leons Oberarm, aber auch das würde sich in der nächsten Zeit noch ändern. „Wahrscheinlich wachsen Rabis erst in die Länge und dann in die Breite“, dachte Leon, während er seinen kleinen Freund zärtlich streichelte.

Als er so im seichten Wasser saß und mit Bölie herumtollte, kam ihm eine Idee. „Du musst mir helfen“, sagte er und Bölie schaute ihn an, als würde er verstehen. „Siehst du das Seilende da oben?“ Bölie schaute empor, er war offensichtlich hochintelligent und verstand Leon beim Wort. „Versuch es zu erreichen, dann kann ich mich an dir hochziehen. Komm Bölie, hilf mir, ich  komme da nicht alleine rauf, ich brauche dich.“

Zuerst zögerte Bölie ein wenig, weil er eigentlich spielen wollte, aber er merkte, dass es nicht der richtige Zeitpunkt war. Leon hatte Hunger und wollte wieder hinauf. Er war kein Tier, das sich in jedem Moment seines Lebens wohl fühlen konnte, er brauchte einen festumrissenen Plan. Er brauchte Sicherheiten, er brauchte einen Ort, den er sein Zuhause nennen konnte und dieser Platz war nicht beliebig und auch nicht überall. Das unterschied ihn von seinen Freunden.

Nadu und Dana und auch Bölie konnten sich überall zuhause fühlen, er aber nicht. Doris war da anders, sie war irgendwie auch ein bisschen Mensch, schließlich konnte sie ja auch sprechen, wenn auch nur wenig.

Bölie nahm Anlauf. Er zog sich ins Wasser zurück und rutschte dann wie von einer Harpune abgefeuert den schlüpfrigen Stein hinauf. Sein dünner Körper quietschte auf dem warmen Stein als er an ihm hinaufglitt. Mit seinen Kiefern umklammerte er das Seilende und hielt es mit den Zähnen fest. Wie eine perfekte Seilverlängerung hing Bölie an der glatten Wand und klapperte zufrieden mit den Augen.

Die Brücke war hergestellt. „Was für ein kluges Tier“, dachte Leon und warf sein Netz über die Schulter, um sich an Bölie empor zu hangeln. Leon hatte Angst ihn auseinander zu reißen, aber Bölie spannte sämtliche Muskeln an und wurde steif wie ein Ast. Vorsichtig hangelte er sich an seinem Freund hoch, während er sich mit den Füßen an dem glatten Marmor abstützte.

Als er das Seilende erreichte strich er Bölie über den Kopf. „Jetzt kannst du loslassen. Du warst großartig. Ich komme morgen wieder und dann spielen wir.“

Bölie ließ das Seil los und rutschte wieder ins Wasser zurück. Zum Abschied  drehte er sich ein paar Mal kreiselartig um sich selbst, dann verschwand er in der Tiefe. Leon drehte sich um und machte sich an den Aufstieg. Den großen dunklen Schatten, der knapp unterhalb der Meeresoberfläche an ihm vorbeizog, nahm er auch diesmal wieder nicht mehr wahr.

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