Leon Lorka

Entdecke das Geheimnis seiner Vergangenheit und vieles mehr ...

Kapitel 6a

Die nächsten Tage vergingen wie im Flug. Nadu und Dana waren wieder da. Leon besuchte die beiden und natürlich seinen Bölie jeden Tag und spielte mit ihnen. Das fehlende Seilende hatte er ersetzt, so dass er jetzt ungehindert die blanke Marmorwand hoch und runterspazieren konnte.

Auch sein neues Lager aus Seegras war fertig. Es roch frisch und war unheimlich gemütlich. Argo hingegen schlief nie in der Küche. Er verbrachte seine Nächte unten bei Senta. Er hatte ein paar Vorräte angeschafft und Leon hatte den kleinen Brunnen mit Muschelkalk und farbigen Steinen ausgebessert. Alles änderte sich. Argo und Leon begannen sich allmählich kennen zu lernen und wurden richtige Freunde. Leon hatte ein neues Zuhause gefunden und Argo öffnete sich wieder der Welt, die er durch die Kristallscheibe glasklar und scharf wahrnehmen konnte.

Er hatte sich aus einer festen Fischhaut eine Art Kappe genäht, an die er mit Austernschleim die Augenscheibe befestigt hatte. Sie hing wie eine Klappe vor seinen Augen und ohne sie jetzt noch festhalten zu müssen, konnte er alle Dinge von nah bis fern aufs deutlichste erkennen. Manchmal hatte er den Eindruck, er würde alles noch genauer und vor allem viel größer sehen als es in Wirklichkeit war.

„Du musst dich mal waschen“, hatte Leon ihm vorsichtig zu verstehen gegeben, weil Argo schon mächtig verwahrlost aussah. Zwischen seinen Schuppen hatten sich bereits kleine Käfer und faulige Algen angesiedelt. Das ging wirklich zu weit.

Aus fein geriebenen Seesternen hatte Leon ihm eine Paste bereitet, die auch den hartnäckigsten Dreck mühelos entfernen konnte. Er hatte das bei Rosa gesehen, die diese Paste gelegentlich für Randolf hergestellt hatte, da er sich auch nicht so gerne wusch. Man konnte sich damit sogar die Zähne reinigen.

Der leicht süß-saure Fischgeschmack war angenehm und die körnige Creme ließ die Zähne wieder weiß strahlen. Argo nahm ohne ein Wort zu sagen die Seestern-Paste und flog davon. Leon sah ihm nach und bemerkte, dass der lange Riss seiner rechten Segelhaut seinen Flug ziemlich beeinträchtigte. Argo schaukelte ein wenig hin und her. Der Wind pfiff durch das große Loch und er hatte Schwierigkeiten, die Flugbahn genau einzuhalten.

Leon sah seinem Großvater hinterher. „Er geht sich waschen und will nicht, dass man es sieht. Er tut es für mich“, lächelte er und spürte, wie sehr er Argo in sein Herz geschlossen hatte.

 

Zum ersten Mal fühlte sich Leon so richtig entspannt. „Alles wird gut“, dachte er und stützte sich auf die massive Mauer, die wie ein Schutzwall um die Terrasse herumlief. Er schaute in die Ferne und beobachtete den schwarzen Nebelvorhang, dem er bislang noch nicht soviel Aufmerksamkeit gewidmet hatte.

„Was wohl dahinter ist?“, fragte er sich und während er noch darüber nachdachte, wusste er schon, dass er dieses Geheimnis lüften wollte. Er musste es, irgendetwas zog ihn. Der Nebel machte ihm keine Angst, er forderte nur seine Neugierde heraus. Natürlich hatte er Respekt vor dieser gigantischen Wand, die wie eine undurchdringbare Barrikade über dem Meer schwebte.

Seite 1 / 15 (1 - 1 von 15 Insgesamt) Nächste Seite Letzte Seite

Wer ist angemeldet

Aktuell sind 1 Gast und 0 registrierte Benutzer online.

Noch nicht registriert oder angemeldet. Hier Anmelden.