Leon Lorka

Entdecke das Geheimnis seiner Vergangenheit und vieles mehr ...

Kapitel 6b

Leon stand mit offenem Mund da. Er konnte nicht glauben, was da gerade geschehen war. Aber der nassschwarze Boden und die kreuz und quer herumliegenden Fangarme ließen keinen Zweifel aufkommen. Der tote Tintenfisch lag verstümmelt und ausgeblutet auf dem Küchentisch. Es war ein Bild des Schreckens.

„Nein“, dachte Leon „das war keine Vorbereitung für ein Abendessen, das war eine Hinrichtung.“ Aber der Hunger war größer als seine unbeantworteten Fragen. Er sammelte die Fangarme ein, zerschnitt den riesigen Tintenfischkörper in kleine Teile und säuberte die Küche. Dann machte er ein mächtiges Feuer auf dem Herd. Er wollte das Fleisch braten.

Gebratene Tintenfischbeine konnten nicht so schnell verderben, wenn man sie zur Aufbewahrung in Salz legte. Das wusste er von Rosa.

Alle Segelohren, die er in seinem Leben kennen gelernt hatte, besaßen eine Salzkiste, in der sie ihre Vorräte vor dem Verderben aufbewahrten. Auch Argo musste irgendwo Salzvorräte haben.

Leon hatte auf dem Weg zu Senta mehrere Höhlen gesehen, die als Vorratskammer in Betracht gekommen wären. Sie waren kühl und dunkel. Dort wollte er suchen. Selbst wenn Argo allein keine Vorräte mehr anlegte, so musste die Kiste doch noch vorhanden sein.

Er nahm sich ein brennendes Holzscheit aus dem Feuer und betrat den Gang. Argo hatte die Tür offen gelassen und damit hatte Leon keine Bedenken, sich ein wenig umzusehen. Die erste Höhle öffnete sich schon nach einigen Metern auf der linken Seite. Vorsichtig tastete er sich mit seiner Fackel vorwärts. Aber hier war nichts außer ein wenig Treibholz. Er wunderte sich, denn gerade diese Höhle hätte sich hervorragend als Speisekammer angeboten. Vielleicht würde er dort später die Vorräte aufbewahren.

Er verließ die Höhle und kletterte einige Stufen tiefer den Gang hinunter. Von dort gingen etliche kleinere und größere Ausbuchtungen zu den Seiten ab. Aber auch in diesen Höhlen konnte er keine Salzvorräte oder gar eine Salzkiste entdecken. Es gab zwar allerlei Gerätschaften  wie Krüge, Werkzeuge und einige riesige Kochtöpfe, aber nicht das, wonach er suchte.

Er quetschte sich durch einen schmalen Felsspalt hindurch und betrat eine enge Höhle, die weniger muffig war als die anderen. Irgendwie musste dieser Raum besser belüftet werden, denn die Flammen an seiner Fackel züngelten hin und her. Aber auch hier gab es nichts. Leon wollte gerade den Raum verlassen, da entdeckte er eine kleine Öffnung am äußersten Rand der Höhle. Aus dieser Öffnung schien die frische Luft zu kommen.

Leons spürte sein Abenteurerherz höher schlagen. Vorsichtig näherte er sich der Öffnung. Er schob seine Fackel voran und blickte in einen großen Raum. Doch was er da sah, war einfach unglaublich. Wie konnte das sein? Hunderte von großen und kleinen weiß blitzenden Walfischrippen standen dort fein säuberlich hintereinander aufgestellt und starrten ihn wie eine Schar ausgemergelter, bleicher Gespenster an. Ein Raum voller Knochen, aber kein feierlicher Friedhof. Es war eher eine Mischung aus Vorratskammer und Massengrab.

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